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Süsses oder Saures? Halloween in Irland

Ehrlich gesagt, habe ich bisher nie viel auf Halloween gegeben. Und ich tue es noch heute nicht. Aber irgendwie bin ich schon gespannt wie Halloween in Irland gefeiert wird?

So sitze ich hier am Vorabend des grossen Festes in unserer Küche, recherchiere und schreibe über diesen alten keltischen Brauch. Samhain. So nannten unsere keltischen Vorfahren das Fest, welches für sie der Beginn des neuen Jahres war. Bevor wir aber in diese Geschichte und die Bräuche an Halloween eintauchen noch ein bisschen was aus dem Nähkästchen. Was ist bisher so passiert bezüglich Halloween?

Erste Anzeichen für das bevorstehende Fest waren in den Verkaufsläden bereits so Mitte September zu sehen. Die ersten Kostüme, meist Hexen oder Teufel, bullten um die Gunst der Käufer.

Damit du für das nächste Halloween mit Deko und Kostüm* gut ausgerüstet bist hat Amazon eigens für den Brauch einen eigenen Shop bereitgestellt. 

Kürbisse - ob als Original oder Plastik - konnten in allen Formen und mit lustig, oder ungeheuerlichen, ausgeschnittenen Fratzen erworben werden. Und natürlich Süssigkeiten. Gleich in ganzen Plastikkübeln in verschiedenen Grössen und mit unterschiedlich buntem und leckeren Inhalt stehen in den Regalen. Auch wir haben uns so eine Box mit Süssigkeiten angeschafft. Man weiss ja nie…

Trick or Treat? Süsses oder Saures?

…ob es nicht doch plötzlich an die Türe klopft und es aus ein paar als Hexe, Zauberer oder Vampire verkleideten Kinderkehlen ertönt: „Trick or Treat“! Wir wohnen ja ziemlich weit weg vom Schuss, irgendwo in den immergrünen Hügeln von West Cork.

Wirklich viele Kinder haben wir noch nicht gesichtet in der Nachbarschaft. Ausser das Girlie der Nachbarn, welches sich aber eher nicht mehr fürs Verkleiden interessieren dürfte und aus dem Alter raus ist. Aber - sicher ist sicher und so steht die Box mit den Süssigkeiten griffbereit.

Notfalls machen wir uns ab dem 1. November selbst über die Drummsticks, Fizzers und Lovely Hearts her. Wohl bekomms.

In der heutigen Zeit sind bei den Kids auch die Ansprüche sicher gestiegen. Oder anders gesagt, muss man eigentlich auch darauf achten was „glutenfreies“ abgeben zu können? Oder auf Nussallergien achten? Auf Lactose Intoleranz? Ist vielleicht sogar vegane Schokolade gefragt? Na, es gibt halt einfach was es hat. Sonst gibts nächstes Jahr nen Apfel. Soll ja auch gesünder sein.

Wie Halloween in Irland auf Arbeit ist

Und wie feiert man Halloween auf der Grünen Insel auf der Arbeit? Nun, als Mitarbeiter eines sehr seriösen Unternehmen mit strikten Richtlinien und Vorgaben, war ich heute doch einigermassen erstaunt. Auch hochrangige Manager haben sich verkleidet.

Ob als Ghostbuster oder Schneewittchen, sie haben sich tapfer geschlagen. Wobei nicht überliefert ist, ob der Ghostbuster im Sinne hatte die „schlechten“ oder „wenig produktiven“ Mitarbeiter zu verscheuchen? Man weiss es nicht. Aber es war lustig zu sehen, wie viel Mühe sich einige gemacht haben und mit viel Kreativität an die Sache herangegangen sind.

Ich selbst habe von einem Kollegen eine Maske von Oliver Hardy geliehen bekommen. Zusammen mit ein bisschen Theaterblut ergab dies dann einen Oli Zombie. War ganz ok, aber es wurde ziemlich heiss unter der Plastikmaske. Und Kaffeetrinken war auch schwierig. Ganz zu schweigen von all den Süssigkeiten, welche schwierig zu verzehren waren. Bei uns wurde das Ganze also so richtig zelebriert.

Kommt All’Hallows Eve nun tatsächlich aus Irland

All’ was? All’Hallows Eve ist nichts anderes als der Abend vor Allerheiligen. Zu diesem christlichen Fest wird aller Heiligen gedacht (wer hätte es vermutet?) und auch die nicht heilig gesprochenen werden berücksichtigt.

Reto Bachofner

Es wäre also nicht daneben, wenn du am Abend des 31. Oktobers ein bisschen an mich denkst und diesen Artikel jetzt gleich auf deinen sozialen Netzwerken teilst. Ich danke dir. Werde dich in mein Nachtgebet einschliessen.

Kurz zurück zu Allerheiligen. Dieser Tag wurde eingeführt, da es mit der Zeit unmöglich war über das ganze Jahr hinweg aller Heiligen einzeln zu Gedenken. Eingeführt hat dies der Papst Bonifatius der Vierte. Schlaues Kerlchen.

Der Vorabend also zu Allerheiligen wurde von den Kelten gefeiert. Sie nannten das Fest „Samhain“.

„Sau-Win“, „Sow-in“ - Samhain, das Fest des Sommerendes

Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, dass der diesjährige Sommer hier überhaupt begonnen hat. Aber rein vom Datum her dürfte er mit ziemlicher Sicherheit tatsächlich vorbei sein.

Die Kelten feierten das Ende des Sommers vom Einbruch der Nacht am 31. Oktober an bis zur Dämmerung am 1. November. Ihr neues Jahr begann mit dem Beginn der dunkeln Jahreszeit. Dem Winter.

Samhain - das Ende des Sommers

Die frühen Iren teilten das Jahr in 4 Jahreszeiten und zelebrierten Feiern welche jeweils zwischen den Tag- und Nachtgleichen respektive der Sonnenwenden lagen.

Imbolc = Frühling, am 1. Februar

Beltaine = Sommer, am 1. Mai

Lughnasadh = Herbst, am 1. August

Samhain = Winter, am 1. November

Samhain zum Beispiel liegt zwischen der Herbst-Tagundnachtgleiche und der Wintersonnenwende.

Zu dieser Jahreszeit waren die Menschen im Altertum sehr damit beschäftigt sich auf den Winter vorzubereiten. Das Getreide musste Wintersicher verstaut und die Kühe und Schafe von der Weide in den Hügeln in tiefere Lagen gebracht werden.

Die schwächsten wurden geschlachtet und das Fleisch für den Winter konserviert.

Des weitern musste Feuerholz gesammelt werden und der gestochene Torf ins Trockene gebracht werden. Samhain zu feiern war die Zeit um für die Ernte des Sommers zu danken und den Beginn des neuen Jahres zu Feiern.

Der Freude darob wird mit riesigen Freudenfeuern kundgetan, welche im Mittelpunkt der Feierlichkeiten standen. Das Feuer stellt seit jeher die Wärme und das Licht der Sonne dar. Die alten Kelten glaubten aber auch daran, dass das Feuer das Böse fern hielt und reinigte und darob auch noch die Götter segnete.

Das Böse vertreiben war eine sehr wichtige Sache für die Kelten. Sie glaubten, dass die Linie zwischen dieser Welt und der Welt der Toten in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November sehr dünn war und das die Seelen der Vorfahren diese überschreiten könnten. Ganz schön gruselig diese Vorstellung, nicht war?

Die frühen Iren hatten keinen Gott des Todes. Aber es ist überliefert das „Donn of the Milesians“ als „Lord of the Dead“ gehandelt wurde. Dieser bliess jeweils an Samhain in sein Horn und die noch auf der Erde verbliebenen Seelen der Toten folgten dem Ruf und traten in die Welt der Toten über.

Gruselig? Dann warte bis du die Geschichte von Dullahan und seinem schwarzen Hengst gelesen hast..

Aber zuerst noch kurz dazu wie Süsses oder Saueres ursprünglich entstanden ist. Da wie gesagt vermutet wurde, dass an Samhain die Linie zwischen der hiesigen Welt und der Welt der Toten ziemlich dünn war und die Kelten Angst davor hatten, dass Besucher aus dem Reich der Toten hinüber traten um Verwüstung und Zerstörung zu bringen.

So kleidete sich der Ur-Ire ebenso gefürchig um allfällige Teufelskreaturen und Monster zu vertreiben. So verkleidet liefen sie von Tür zu Tür und sammelten Essen. Die Tradition von Trick or Treat war geboren…

Dullahan - der kopflose Reiter und sein schwarzer Hengst

Eine der gefürchtesten Figuren in der Welt der Geister ist Dullahan. Auf seinem wunderschönen, schwarzen Hengst reitet er durch die Nacht. Wo er anhält, hinterlässt er ein Opfer.

Der Dullahan hat keinen Kopf auf den Schultern, diesen trägt er in der einen Hand... Und da er über außergewöhnliche Sehkräfte verfügt, kann er seinen Kopf hoch über den Rumpf halten und so weit über die Hügel der stockdunkeln Nacht blicken. Doch wehe er sieht dich!

Denn wenn Dullahan deinen Namen ausspricht wird er dich mit dem Tod bestrafen, indem er dir deine Seele aus dem Körper zieht. Wenn du Glück hast reitet er ohne deinen Namen zu nennen an dir vorbei und wird dich damit bestrafen dir einen Eimer voller Blut über den Kopf zu leeren - oder ein Auge auszustechen.

Dullahan kommt nicht zum Spass. Auch nicht um dich zu warnen wie andere Figuren aus der irischen Welt der Sagen. Gut gibt es eine Waffe gegen ihn.

Trägst du ein Stück Gold mit dir, wird dich Dullahan verschonen!

Dazu gibt es eine passende Geschichte aus Galway.

Ein Mann war auf dem Heimweg als er hinter sich das Klappern von Pferdehufen hört. Das Geräusch kommt immer näher und als der Mann sich umdreht sieht er den der Dullahan mit seinem schwarzen Hengst schon dicht hinter ihm.

Er beginnt um sein Leben zu rennen.

Doch niemand kann Dullahan entkommen! Doch wenn man vor ihm nicht wegrennen kann, kann ich ihn vielleicht austricksen?

Und so wirft der Mann ein Goldstück auf die Strasse. Es ertönte ein lautes Brüllen durch die stockdunkle irische Nacht

- und der Dullahan war verschwunden.

Die Geschichte von Halloween - wo alles Begann

Fassen wir die Geschichte von Halloween kurz zusammen…

Es datiert zurück auf ein altes Fest der Kelten. Samhain, was nichts anders heisst als Das Ende des Sommers (Sam = Sommer, Hain = Ende). Die Kelten feierten ihr Neujahr am 1. Tag des Novembers und der Tag markierte nicht nur das Ende des Sommers sondern auch der Beginn der Dunkeln Jahreszeit und des kalten Winters.

Diese Zeit wurde damals auch assoziiert mit dem Tod. Die Kelten glaubten daran, dass in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November die Linie zum Jenseits sehr dünn sei und dass so die Seelen der Verstorbenen jederzeit zurück kommen könnten in unsere Welt.

Es war aber auch eine Zeit um den Verstorbenen zu Gedenken deren Wille es war zu Überleben, an deren Stärken und deren Spiritualität zu glauben - um selbst zu überleben.

Um Neujahr zu feiern wurden im ganzen Land riesige Freudenfeuer entzündet und es wurden Pflanzen und Tiere geopfert um die keltischen Götter zu Ehren und Gnädig zu stimmen.

Die Kelten verkleideten sich als Tiere und zogen von Tür zu Tür um Essen zu sammeln.

Die Reste der Freudenfeuer wurden genutzt um die eigenen Schutzfeuer damit anzuzünden. Diese heiligen Feuer sollten die Menschen vor dem Winter beschützen.

Im Jahr 609 n. Chr. rief der Papst einen Festtag aus um alle Märtyrer zu Ehren. Da das Ganze so gut passte, fand der Tag zuerst um Ostern herum statt. Ein folgender Papst inkludierte in den Feiertag alle Heiligen und verschob den Tag auf den 1. November.

Allerheiligen war definitiv geboren und 1000 n. Chr. erstmals im heutigen Sinne gefeiert. Der Tag wurde ganz im Sinne von Samhain mit Freudenfeuern, Paraden und verkleideten Menschen gefeiert und der Tag war auch als All-Hallows bekannt.

Die Nacht zuvor als All-Hallows Eve aus welcher eventuell Halloween entstanden ist.

Die irischen Einwanderer in Amerika brachten den Brauch früh in die Staaten. Dort entwickelte er sich derart, dass Halloween heute nach Weihnachten und Ostern (und dem Superbowl) das drittgrösste Fest des Landes ist.

Wie auch immer.

Morgen muss ich aufpassen vor Sonnenuntergang zu Hause zu sein. Nicht aus dem Fenster zu schauen. Und immer ein Goldstück griffbereit zu haben.

Ansonsten holt mich Dullahan.

Und dann ist dies der letzte Blogbeitrag auf „Irland erleben“.

Reto Bachofner
 

Die Grüne Insel hat es mir angetan. Nach zahllosen Reisen sind ich und meine Frau an einem kalten Januar Tag aus der Schweiz "ausgewandert" nach Irland. Meine Erfahrungen mit dem Reisen und Leben & Arbeiten auf der kleinen Insel am Rande Westeuropas gebe ich dir in diesem Reiseblog mit. Du findest hier alles was du brauchst um einen individuellen Urlaub in Irland verbringen zu können. Das Motto ist: "Entdecke Irland auf eigene Faust"!

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